Im Hafen bei Sonnenuntergang schienen die Boote ihre Farben zu verlieren.
Rot wurde braun, Blau wurde grau, Gelb wurde still. Lillo, der Hafenmaler, seufzte.
„Der Tag nimmt alles mit.“
Ein altes Boot rief ihn.
„Schau besser hin.“
Lillo kam mit seinen Pinseln näher. Das Boot sah fast dunkel aus. Doch als der erste Stern erschien, leuchtete an seinem Rand eine violette Linie auf. Dann ein tiefes Blau im Rumpf. Dann ein sehr sanftes Grün bei der Leine.
„Deine Farben kommen zurück!“
„Nein“, sagte das Boot. „Das sind meine Abendfarben.“
Lillo setzte sich auf den Kai. Er entdeckte, dass der Hafen nach Sonnenuntergang nicht farblos war. Er hatte nur die Farbpalette gewechselt: Silber auf dem Wasser, Rosa in einer Wolke, glänzendes Schwarz auf einem Ruder, winziges Gold in einem Fenster.
Er malte ohne Eile.
Am nächsten Tag sahen die Leute sein Bild und sagten: „Es sieht aus wie der Hafen, der vor dem Schlafen atmet.“
Lillo lächelte.
Seit diesem Abend wurde er nicht mehr traurig, wenn die Tagesfarben erloschen. Er wartete auf die Farben der Nacht.
Und das alte Boot im dunklen Wasser leuchtete jeden Abend für alle, die schauen konnten.
