Am Rand eines Feldwegs wuchs ein Feigenkaktus.
Er hatte grüne flache Blätter, rote Früchte und kleine, fast unsichtbare Dornen. Die Kinder fanden ihn seltsam, halb Pflanze, halb Wächter.
Eines Tages kam eine Ziege näher und wollte die Früchte fressen, bevor sie reif waren.
„Gib mir alles“, sagte sie.
Der Feigenkaktus zitterte. Er wollte freundlich sein. Er wollte niemanden enttäuschen. Also ließ er die Ziege eine Frucht ziehen, dann noch eine.
Doch die Früchte waren nicht bereit, und die Pflanze tat weh.
Am Abend fragte der Mond: „Warum hast du nichts gesagt?“
„Weil ich nicht hart sein wollte.“
Der Mond beleuchtete seine Dornen.
„Eine Grenze ist keine Gemeinheit. Sie ist eine kleine Tür, die sagt: Hier braucht es Respekt.“
Am nächsten Tag kam die Ziege zurück.
„Noch mehr!“
Der Feigenkaktus atmete mit seinen Wurzeln.
„Nein. Meine Früchte müssen reifen. Du kannst etwas bekommen, wenn die Zeit da ist.“
Die Ziege meckerte, dann ging sie fort.
Ein paar Tage später waren die Früchte süß und rot. Der Feigenkaktus ließ eine für die Ziege fallen, eine für die Vögel und eine am Weg für ein Kind.
Er hatte Nein gesagt und doch geteilt.
Seitdem glänzten seine Dornen ein wenig in der Sonne. Sie waren nicht da, um zu verletzen. Sie erinnerten daran, dass Wachsende Schutz brauchen.
