In einem sizilianischen Garten sanken die Sterne vor der tiefen Nacht sehr tief herab.
Sie fielen nicht. Sie setzten sich auf Blätter, Steine, die Bank, die Türklinke und die Basilikumtöpfe.
Lia wollte sie alle betrachten.
„Noch einen. Noch einen. Noch einen.“
Aber ihre Augen wurden schwer.
Der Garten sprach leise.
„Wir löschen sie einen nach dem anderen.“
Der erste Stern auf einem Zitronenblatt blinkte und verschwand.
„Gute Nacht, Blatt“, flüsterte Lias Mutter.
Der zweite auf dem Stein beim Brunnen erlosch.
„Gute Nacht, Stein.“
Dann kamen die Bank, der Topf, der Weg und die kleine Schaufel, die in der Erde vergessen worden war. Mit jedem erloschenen Stern wurde der Garten ruhiger, nicht leer, sondern ausgeruht.
Lia lernte, den Dingen des Tages Lebewohl zu sagen: dem Spiel, dem Licht, den Fragen, den Schritten, dem Lachen.
Als nur noch ein Stern auf der Tür übrig war, fragte sie: „Und der?“
„Der bewacht den Durchgang zu den Träumen.“
Dieser Stern erlosch erst, als Lia in ihrem Bett lag.
Da wurde der Garten dunkel und sicher.
Die echten Sterne blieben hoch am Himmel, doch Lia musste sie nicht mehr zählen. Die Welt war mit ihr langsamer geworden.
Und der Schlaf kam wie ein Freund, der den Weg kannte.
