In einem Zimmer mit weichem Teppich lebte Tobia, ein sehr lebhaftes Kaninchen.
Er sprang, rollte, erfand Wettrennen und stellte viele Fragen. Doch beim Mittagsschlaf rannte sein Körper weiter, auch wenn das Zimmer still war.
Eines Tages fand er unter dem Kissen einen goldenen Schlüssel.
„Welche Tür öffnest du?“
Der Schlüssel antwortete: „Ich öffne die Stille. Aber nur deine.“
Tobia suchte überall: im Schrank, in der Kiste, in der Schublade. Nichts.
Dann bemerkte er ein kleines Schloss in der Luft, nahe bei seinem Herzen.
Er führte den Schlüssel heran.
Klick.
Das Zimmer wurde nicht stumm. Man hörte noch den Wind, einen Teller in der Küche, einen Vogel draußen. Aber die Geräusche stießen Tobia nicht mehr herum. Sie blieben an ihrem Platz.
Das Kaninchen atmete. Seine Ohren sanken. Seine Pfoten entspannten sich.
„Das ist also meine Stille?“
„Ja“, sagte der Schlüssel. „Sie ist nicht das Fehlen von allem. Sie ist ein Ort, an dem du dich wiederfindest.“
Seitdem benutzte Tobia den Schlüssel nicht immer gleich. Manchmal atmete er dreimal. Manchmal hielt er eine Decke fest. Manchmal betrachtete er einen Sonnenstrahl.
Er hatte seinen eigenen Weg zur Ruhe entdeckt.
Und der goldene Schlüssel leuchtete leise, wenn er ihn fand.
