In einer Gasse des Dorfes stand ein alter sizilianischer Karren, gelb, rot und blau bemalt.
Nachts, wenn alle schliefen, begann er von selbst zu rollen. Doch er transportierte weder Früchte noch Körbe. Er sammelte Träume auf, die von den Kissen gefallen waren.
Nino sah ihn einmal von seinem Fenster aus.
Auf den Pflastersteinen leuchteten Traumstücke: ein Drachenflügel, ein goldener Schlüssel, eine winzige Welle, ein sprechender Keks, ein Boot aus Papier.
Der Karren seufzte.
„Was für ein Durcheinander!“
Nino schlich hinunter.
„Müssen Träume geordnet werden?“
„Ja“, antwortete der Karren. „Sonst findet sie am Morgen niemand wieder.“
Er hatte kleine Schubladen: Meeresträume, Gartenträume, Mutträume, Umarmungsträume, Träume für später.
Nino half. Er legte die Welle in die Meeresschublade, den Schlüssel zu den Abenteuern, den sprechenden Keks zu den lustigen Träumen.
„Und wenn ich zu viel ordne? Verschwindet dann die Magie?“
Der Karren schüttelte seine bemalten Räder. „Ordnen heißt nicht einsperren. Es heißt, ein Zuhause geben.“
Am Morgen wachte Nino mit einem klaren Traum im Kopf auf. Er erinnerte sich nicht an alles, aber er wusste, wo er suchen musste: in der inneren Schublade der wichtigen Dinge.
Seitdem räumte er vor dem Schlafen auch sein Zimmer ein wenig auf. Nicht um es perfekt zu machen, sondern um den Träumen einen freien Weg zu lassen.
Und der Traumkarren fuhr weiter, fröhlich und ordentlich unter den Sternen.
