Über dem Orangenhain zog eine sehr unruhige Wolke.
Sie wechselte ständig ihre Form: Fisch, Boot, Drache, Kissen, dann wieder Fisch. Sie wollte überallhin, alles sehen und niemals am selben Ort bleiben.
Eines Morgens sagte der Wind: „Bleib ein wenig hier.“
„Ich habe keine Zeit“, antwortete die Wolke. „Der Himmel ist riesig.“
Doch unter ihr hatten die Orangenbäume Durst. Die Erde riss leise auf. Die Blätter hingen ein wenig.
Die Wolke sah hin und spürte etwas in ihrem Bauch aus Dampf.
„Was soll ich tun?“
„Nicht alles. Bleib“, sagte der Wind.
Bleiben war schwer. Die Wolke wollte laufen, ein Pferd werden, ein Berg, ein Segel. Aber sie blieb über dem Hain.
Nach und nach kühlte ihr Schatten die Blätter. Die Vögel wurden ruhiger. Die Erde atmete.
Dann fiel ein feiner Regen.
Kein Sturm. Ein sanfter, aufmerksamer Regen, gerade genug, um den Duft der Orangen zu wecken.
Die Wolke fühlte sich leichter.
„Ich dachte, ich verliere den Himmel, wenn ich stehen bleibe“, sagte sie.
Der Wind lächelte. „Du hast einen Ort gefunden.“
Seitdem reiste die Wolke weiter, denn Wolken lieben das Reisen. Aber sie lernte Orte zu erkennen, die eine Pause brauchten: ein trockenes Feld, ein müdes Kind, einen sonnenheißen Hügel.
Und sie entdeckte: Man kennt die Welt nicht wirklich, wenn man nur vorbeizieht. Manchmal muss man stillstehen, um nützlich zu werden.
