Im kleinen Theater des Dorfes hing ein Tamburin neben dem Vorhang.
Es hatte rote BĂ€nder, eine helle Haut und kleine goldene Schellen. Doch es spielte fast nie. Die Trommeln waren lauter. Die Flöten glĂ€nzten mehr. Die Stimmen der Kinder fĂŒllten den Saal bereits.
âIch bin zu kleinâ, dachte es.
Eines Abends war das Theater leer. Der violette Vorhang bewegte sich kaum. Auf einem Stuhl schlief eine vergessene Geschichte.
Das Tamburin hörte ein FlĂŒstern.
âMir fehlt ein Rhythmus.â
Es war die Geschichte.
âIch kann nur leise spielenâ, sagte das Tamburin.
âDann spiel leise. Manche Geschichten brauchen leichte Schritte.â
Das Tamburin zitterte. Tin. Dann tin tin. Der Klang war klein, aber er ging vorwĂ€rts wie ein GlĂŒhwĂŒrmchen. Die Geschichte wachte auf. Die Schatten an der Wand wurden Figuren. Ein Mond aus Pappe stieg auf.
Am nĂ€chsten Tag kamen die Kinder zurĂŒck. Das Tamburin wagte, die Szene leise zu begleiten. Niemand rief: âLauter!â Im Gegenteil: Die Kinder hörten besser zu.
Sie entdeckten, dass sein kleiner Rhythmus die Geschichte zusammenhielt wie ein unsichtbarer Faden.
Seitdem wollte das Tamburin nicht mehr wie die groĂen Instrumente sein. Es spielte, wenn Zartheit gebraucht wurde: fĂŒr die Schritte einer Katze, die Ankunft eines Sterns, den Schlaf eines Kindes.
Es hatte verstanden: Ein Klang muss nicht mÀchtig sein, um notwendig zu sein.
