In einem Garten aus MandelbÀumen und Lavendel stand ein sehr alter Baum.
Seine BlĂŒten waren hell, sein Stamm war runzlig, und sein Schatten hatte etwas Besonderes: Er schenkte nicht nur KĂŒhle, sondern auch Stille.
Wenn die Kinder angerannt kamen, senkte sich der Schatten des Mandelbaums sanft um sie. Aus Rufen wurden FlĂŒstern, aus schnellen Schritten wurden langsame, und selbst die Bienen schienen tiefer zu fliegen.
Eines Abends setzte sich Rosa unter den Baum. Ihr Herz war voller LĂ€rm. Sie hatte ihr Band verloren, zu schnell mit ihrem Bruder geschimpft und eine kleine Wut im Hals behalten.
âIch weiĂ nicht, wie ich ruhig werden sollâ, sagte sie.
Der Mandelbaum lieĂ eine BlĂŒte auf ihren SchoĂ fallen.
âVertreib den LĂ€rm nicht. Gib ihm einen Ort, an dem er sich ausruhen kann.â
Rosa schloss die Augen. Sie hörte den Lavendel, ein Blatt an einem anderen, ihren eigenen Atem. Die Stille war nicht leer. Sie war weich, wie eine Hand auf der Schulter.
Seitdem kamen die Kinder unter den Mandelbaum, wenn der Tag zu laut wurde. Niemand zwang sie zu schweigen. Der Baum schenkte nur eine Stille, die zart genug war, um hineinzutreten.
