In einem Mandelhain warteten alle Zweige auf den Frühling.
Sie waren dünn, braun und fast still. Der Wind ging hindurch und sagte: „Noch nicht.“ Die Hügel schliefen noch ein wenig.
Mandu, ein junger Zweig, zitterte mehr als die anderen.
„Und wenn der Frühling vergisst zu kommen?“
Der Mond legte einen Strahl auf ihn. An der zartesten Stelle des Zweigs erschien eine kleine Knospe. Dann öffnete sie sich langsam.
Es war eine weiße Blüte.
Mandu bekam Angst. „Ich bin zu früh. Die anderen werden lachen.“
Aber niemand lachte. Die anderen Zweige betrachteten die Blüte wie eine kleine Lampe in einem dunklen Zimmer.
„Du hast begonnen“, murmelte ein alter Stamm.
Die Blüte rief nicht. Sie sagte nicht: Folgt mir. Sie blieb einfach offen, sanft und mutig.
Am nächsten Tag erschien eine weitere Knospe. Dann drei. Dann zehn. Der Hain veränderte sich ohne Lärm.
Mandu verstand: Anfangen heißt nicht, stärker als die anderen zu sein. Manchmal heißt es, die erste zarte Geste zu wagen, damit alle sich erinnern, dass eine neue Zeit kommen kann.
Seitdem dachte der Mandelbaum an seine erste Blüte im Mondlicht, wenn jemand zögerte.
Vertrauen hatte oft die Form von etwas Kleinem, das sich zu öffnen wagte.
