Jeden Abend stellte Elia vor dem Schlafen ein Glas Wasser auf seinen Nachttisch.
Es war eine gewöhnliche Geste. Ein Glas, etwas Wasser, nichts weiter. Doch in einer Nacht kam der Mond durchs Fenster und setzte sich hinein.
Elia richtete sich auf.
âBist du hineingefallen?â
âNeinâ, antwortete der Mond. âIch leiste dir Gesellschaft.â
Im Glas zitterte er leicht. Wenn Elia schnell atmete, bewegte sich das Wasser, und der Mond zerbrach in kleine StĂŒcke. Wenn er langsamer atmete, wurde er wieder rund.
Elia versuchte es.
Einatmen. Der Mond bebte.
Ausatmen. Der Mond wurde ruhig.
Er entdeckte, dass das Glas ihm sein eigenes Herz zeigte. Wenn er unruhig war, war das Wasser unruhig. Wenn er langsamer wurde, ruhte das Licht.
âDann kann ich dir helfen, ganz zu bleiben?â, fragte er.
âUnd ich kann dir helfen, ruhig zu werdenâ, sagte der Mond.
Seit dieser Nacht betrachtete Elia immer das Glas, bevor er die Augen schloss. Er berĂŒhrte es nicht. Er sah nur den kleinen Mond, den hellen Kreis und die Ruhe, die zurĂŒckkam.
Manchmal verdeckten Wolken den echten Mond. Dann blieb das Glas dunkel. Doch Elia wusste, dass er trotzdem langsam atmen konnte.
Er hatte gelernt, dass eine einfache Sache am Bett zu einem kleinen See des Friedens werden kann.
