Ein junger neugieriger Wind lief durch die Gassen des Dorfes.
Er hob Tischdecken, ließ Fensterläden knallen, zerzauste Kinderhaare und kam in Häuser, ohne anzuklopfen.
„Ich bin frei!“, rief er.
Doch die Blumen beugten sich zu stark. Die Katzen versteckten sich. Die Vorhänge ärgerten sich still.
Eines Abends rief ihn die alte Zypresse.
„Kleiner Wind, Freiheit heißt nicht, überall ohne Frage einzutreten.“
Der Wind wirbelte um sie herum. „Wie kann ein Wind fragen?“
„Sanft.“
Am nächsten Tag versuchte der Wind es. Er berührte ein Fenster mit einem leichten Hauch.
„Darf ich herein?“
Das Fenster öffnete sich ein wenig.
Er trat ein, ohne die Papiere umzuwerfen.
Dann kam er zu einem Kind mit lockigem Haar.
„Darf ich spielen?“
Das Kind lachte und hob das Gesicht. Der Wind bewegte nur eine Locke, dann zwei.
Er fragte die Blätter, die Wäsche, die Blumen. Einige sagten ja. Einige schienen zu sagen: jetzt nicht.
Der Wind entdeckte, dass ein freiwilliges Ja fröhlicher ist als etwas, das man mit Kraft nimmt.
Seitdem erkannte man ihn anders. Er war immer noch lebhaft und neugierig, aber er hatte Zartheit gelernt.
Wenn er abends zwischen den Häusern hindurchzog, hörte man keine Türen mehr knallen. Man hörte einen leichten, fast höflichen Atem, der fragte: „Darf ich?“
