In einer Küche, die nach warmem Brot roch, lebte eine kleine Ameise namens Mina.
Sie kannte den Weg an der Wand, den Spalt neben den Fliesen und die Ecke, in der manchmal Krümel fielen. Eines Morgens fand sie einen riesigen Krümel, golden und noch warm.
„Ein Schatz!“
Mina wollte ihn ganz allein tragen. Sie zog, schob, rutschte aus. Der Krümel bewegte sich kaum.
Da kam eine andere Ameise.
„Darf ich helfen?“
Mina zögerte. Wenn die andere half, musste sie teilen. Aber der Krümel war zu groß für sie.
Bald kamen drei Ameisen, dann fünf, dann zehn und schoben gemeinsam. Der Krümel bewegte sich bis zum kleinen Durchgang in der Wand.
Dort zerbrach er in mehrere Stücke.
Mina erschrak. Hatte sie ihren Schatz verloren? Doch jede Ameise bekam ein Stück, und sogar für jene, die die Eier im Gang bewachten, blieb etwas übrig.
Die alte Ameise sagte: „Warmes Brot schmeckt besser, wenn es viele Münder erreicht.“
Mina probierte ihr kleines Stück. Es war kleiner als erträumt, aber es schmeckte nach gemeinsamer Arbeit.
Seitdem wollte Mina nicht mehr alles behalten. Wenn sie einen Krümel fand, fragte sie: „Wie viel brauche ich wirklich? Wer hat noch Hunger?“
Und in der Küche wurden selbst die kleinsten Krümel zu Gelegenheiten für Gerechtigkeit.
