Am Rand eines Weges lag ein runder Stein.
Jeden Tag sah er Füße, Räder, Ameisen, Ziegen und manchmal Kinder mit Taschen vorbeikommen. Er aber blieb liegen.
„Ich will reisen“, seufzte er.
Eine Eidechse sagte: „Du bist ein Stein.“
„Eben. Alle gehen fort außer mir.“
In der nächsten Nacht fiel eine Sternschnuppe in seine Nähe und berührte ihn mit leichtem Staub.
„Morgen wirst du anders reisen“, sagte sie.
Am Morgen bewegte sich der Stein nicht. Zuerst war er enttäuscht. Dann setzte sich ein Kind neben ihn und erzählte vom Meer. Später sprach ein Hirte von einem Hügel voller Blumen. Eine Frau stellte ihren Korb ab und erzählte von einem Markt voller Stimmen. Eine Ameise überquerte den Stein mit einem Weizenkorn aus einem fernen Feld.
Jeder Vorübergehende ließ eine Geschichte zurück.
Der Stein verstand, dass die Welt auch zu ihm kam.
Er lernte, staubigen Sohlen, müden Rädern, kurzen Gesprächen und den stillen Pausen der Menschen zuzuhören.
Jahre vergingen. Der Stein wurde unter Händen und Schritten glatt.
Er hatte den Weg nie verlassen, aber in sich trug er Meere, Hügel, Märkte und Felder.
Und wenn ein Kind sagte: „Dieser Stein geht nirgendwohin“, glänzte er ein wenig in der Sonne.
