In einem alten Olivenhain wollte eine Grille namens Cri das schönste Abendlied singen.
Sie versuchte es schnell, dann langsam, dann sehr laut. Die Blätter des Olivenbaums zitterten.
„Noch nicht“, murmelte der Baum.
Cri war beleidigt. „Was ist denn der richtige Rhythmus?“
Der Olivenbaum antwortete nicht sofort. Er ließ den Wind durch seine silbernen Blätter gehen. Schsch... Pause... schsch... Pause.
Die Grille hörte zu. Sie hörte auch eine Eule in der Ferne, eine Olive im Gras, ihren eigenen kleinen Atem.
Da verstand sie, dass ein Schlaflied keine Melodie ist, die man aufzwingt. Es war schon im Abend versteckt.
Sie stellte ihre Beine auf die Erde und sang mit ihr: kri... kri-kri... Stille... kri.
Der Olivenhain wurde ruhig. Sogar die Steine schienen zuzuhören.
Seit dieser Nacht versuchte Cri nicht mehr, gegen die Stille zu gewinnen. Sie setzte sich unter den Olivenbaum, wartete auf den Rhythmus und sang nur, was entstehen wollte.
Und die Kinder im Dorf schliefen leichter ein, wenn der Wind ihr kleines Schlaflied trug.
