Auf einer Terrasse voller Basilikum hatte Nina eine kleine grüne Gießkanne.
Jeden Morgen goss sie die Pflanzen. Doch am Abend, wenn Wolken über das Dorf zogen, hob sie die Gießkanne zum Himmel.
„Habt ihr Durst?“
Die Erwachsenen lachten leise.
„Wolken gießt man nicht.“
Nina machte weiter. Sie spritzte ein paar Tropfen in die Luft. Natürlich erreichten die Tropfen die Wolken nicht, aber ihre Geste stieg wie eine Einladung zu ihnen hinauf.
Eines Nachts kam eine kleine weiße Wolke sehr tief herab.
„Danke, dass du an uns denkst“, sagte sie.
Nina staunte.
Die Wolke schüttelte ihren leichten Bauch und ließ winzigen Regen auf die Basilikumtöpfe fallen. Der Duft wurde stärker. Dann erschienen am Himmel Blüten aus Dampf: eine Margerite, eine Rose, ein ganzer Mandelbaum.
„Siehst du?“, sagte die Wolke. „Auch Ideen brauchen Wasser.“
Seitdem goss Nina ihre Pflanzen und ihre Träume. Sie zeichnete, erfand, stellte Fragen und gab ihnen Zeit.
Die Erwachsenen lachten nicht mehr. Manchmal blieben sie auf der Terrasse stehen, um zu sehen, wie der Himmel ein wenig blühte.
