In einem Bergdorf wurden die Abende kühl, auch nach sonnigen Tagen.
Marco ging oft mit seinem Onkel bis zu der kleinen Mauer, von der man die Hügel sehen konnte. Eines Abends wehte der Wind stärker als sonst.
„Mir ist kalt“, sagte Marco.
Sein Onkel holte eine alte Wolldecke hervor. Sie war grau, weich, ein bisschen kratzig und roch nach Zuhause.
Marco wollte sie ganz für sich behalten.
Doch neben ihm zitterte der kleine Hund. Sein Onkel rieb sich die Hände. Sogar der Korb mit Feigen sah aus, als bräuchte er Schutz.
Die Decke bewegte sich von selbst.
Sie wurde breiter.
„Eine Decke weiß, wie man größer wird, wenn man sie nicht für sich allein behält“, sagte sie.
Marco legte sie über seine Schultern, dann über die seines Onkels, dann über den Hund. Sie wurde nicht schwerer. Im Gegenteil: Sie schien wärmer zu werden.
So saßen sie da und sahen zu, wie im Dorf ein Licht nach dem anderen anging.
Marco verstand, dass Wärme nicht nur etwas ist, das man besitzt. Sie ist auch eine Nähe, die man teilt: eine Deckenecke, eine Hand, ein gemeinsames Schweigen.
Seit diesem Abend fragte er, wenn er etwas Weiches hatte: „Wer kann mit mir unter diese Wärme kommen?“
Und die alte Wolldecke bewahrte in ihren Fäden die Erinnerung an alle nah zusammengerückten Schultern.
