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Das Seepferdchen und der Mondfaden

In einem stillen Meer folgt ein Seepferdchen einem Mondfaden und entdeckt, dass man sich führen lassen kann, ohne sich zu verlieren.

Illustration zu Das Seepferdchen und der Mondfaden

In einer klaren Bucht lebte Lilo, ein kleines Seepferdchen, das sich gern an Algen festhielt.

Es mochte sichere Dinge: denselben Stein, dasselbe Versteck, dasselbe Wiegen des Wassers. Doch das Meer bewegte sich immer, und das machte ihm Angst.

Eines Nachts ließ der Mond einen silbernen Faden ins Wasser fallen.

Der Faden schwebte vor Lilo.

„Komm“, sagte er.

Lilo hielt sich zuerst viel zu fest daran fest. Der Faden wurde blass.

„Nicht so“, flüsterte er. „Wenn du zu fest hältst, folgst du mir nicht. Du hältst mich auf.“

Lilo lockerte seinen Schwanz.

Der Faden leuchtete wieder und begann zwischen Felsen, Muscheln und Seegras hindurchzugleiten. Lilo bekam mehrmals Angst. Es wollte zu seinem Stein zurück. Doch der Faden wurde nie zu schnell.

Er wartete.

Schließlich erreichten sie eine kleine Höhle, in der das Wasser so still war, dass sich die Sterne darin spiegelten.

„Ich wusste nicht, dass es diesen Ort gibt“, sagte Lilo.

„Du konntest ihn nicht finden, solange du immer am selben Platz festgehalten hast“, antwortete der Faden.

Seit jener Nacht blieb Lilo vorsichtig, aber es lernte auch, sanften Lichtern zu folgen: einer Freundin, einem Wort, einer Idee.

Es verstand: Vertrauen heißt nicht, sich zu verlieren. Es heißt, nur so locker zu halten, dass man entdecken kann.

Moral: Vertrauen ist ein leichter Faden, dem man folgt, ohne ihn festzuziehen.
Montessori-Hinweis: Nach dem Lesen kann das Kind eine konkrete Handlung aus der Geschichte benennen und sie ruhig mit dem Gefühl des Abends verbinden.
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