Lillo lag in seinem Zimmer mit Blick zum Meer, doch das Kissen war falsch, die Decke war falsch, und sogar der Mondstrahl kitzelte seine Nase.
Zu dieser Stunde endete der Tag nicht plötzlich. Er faltete sich langsam zusammen: ein blauer Schatten an der Wand, das Meer klang leiser, und warme GerĂŒche von Stein, BlĂ€ttern und Abendessen zogen aus den nahen HĂ€usern herĂŒber.
Er rief immer wieder nach Hilfe, aber das Bett fĂŒhlte sich noch immer nicht wie sein Platz an.
Die Nacht antwortete ohne Aufsehen. Ein mondhelles GroĂmĂŒtterchen erschien auf der Fensterbank und legte drei Mondkissen auf den Teppich. Niemand kĂŒndigte es an; es war einfach da, wie die beste Gutenachtmagie: nah genug, um sie zu spĂŒren, und sanft genug, um niemanden zu erschrecken.
Auf dem ersten Kissen lieĂ Lillo seine Schultern weich werden; auf dem zweiten sagte er seinen HĂ€nden, dass ihre Arbeit beendet sei.
So begann die Geschichte in kleinen Schritten. Es gab kein Rennen, keine laute Lehre und keine Erwachsenenrede, die alles erklĂ€rte. Auf dem dritten legte er seine unruhigen Gedanken in eine kleine gedachte Kiste fĂŒr morgen.
Dann kam der Augenblick, in dem die kleine Schwierigkeit ihre Form verĂ€nderte. Dann rĂ€umte der Mond nicht fĂŒr ihn auf; er half ihm zu entscheiden, wohin Wasser, Kuscheltier, Buch und Decke gehörten.
Der Mond blieb ĂŒber den DĂ€chern, und der Ort wurde wieder ruhig. Was eben noch verwirrend oder zu groĂ gewesen war, bestand nun aus kleineren Teilen: einem Atemzug, einem Blick, einer vorsichtigen Geste, einem weiteren Versuch.
Als Lillo sich wieder hinlegte, war das Zimmer dasselbe, aber freundlicher. Sein Abendritual war ein Weg geworden, dem der Schlaf folgen konnte.
Als der Schlaf schlieĂlich kam, kam er leise. Das Kind, das die Geschichte hört, kann fast dasselbe hören wie die Figuren: langsam gehen, das Nahe bemerken und die Nacht zu einer Freundin werden lassen.
Leseritual: Langsam lesen und zwischen den Szenen eine sanfte Pause lassen, damit das Kind den Ort vor dem GefĂŒhl sehen kann.
