3 Min. · accettazione

Das Segel, das Angst vor dem Meer hatte

In einem kleinen Hafen träumt ein gefaltetes Segel vom Aufbruch, zittert aber vor den Wellen, denen es begegnen muss.

Illustration zu Das Segel, das Angst vor dem Meer hatte

In einem kleinen Hafen schlief ein weißes Segel, gefaltet in einem blauen Boot.

Den ganzen Tag hörte es die Geschichten der Seile, Möwen und Ruderer. Es träumte davon, sich im Wind zu füllen, die Küste kleiner werden zu sehen und das Licht der offenen See zu berühren.

Doch wenn das Meer sich bewegte, zitterte das Segel.

„Und wenn der Wind zu stark ist? Wenn ich reiße? Wenn ich nicht zurückfinde?“

Das Boot antwortete: „Dann fahren wir langsam.“

Am nächsten Morgen stieg ein Kind mit seinem Vater ein. Sie falteten das Segel auseinander. Es wollte sich verstecken, aber der Wind berührte es sanft.

„Ich schiebe dich noch nicht“, sagte der Wind. „Ich zeige dir nur, dass ich da bin.“

Das Segel atmete. Es öffnete sich ein wenig. Das Boot fuhr einen Meter, dann zwei. Das Meer machte kleine Falten, keine großen Monster.

Das Segel hatte noch immer Angst. Aber es merkte, dass die Angst mitkommen konnte, ohne das Steuer zu halten.

Bei der Rückkehr war es kein Segel ohne Angst geworden. Es war ein Segel mit einer ersten Reise.

Am Abend, gefaltet im Boot, flüsterte es: „Morgen ein wenig weiter.“

Und das Meer antwortete sanft am Holz: Ja.

Moral: Mut ist nicht Angstlosigkeit, sondern eine erste Bewegung trotz der Angst.
Montessori-Hinweis: Nach dem Lesen kann das Kind eine konkrete Handlung aus der Geschichte benennen und sie ruhig mit dem Gefühl des Abends verbinden.
← Der Johannisbrotbaum der langen TräumeDer Gute-Nacht-Löffel →