Auf einem stillen Feld wuchs ein alter Johannisbrotbaum.
Sein Stamm war breit, sein Schatten kühl, und seine braunen Schoten hingen wie lange kleine Monde herab. Die Kinder saßen gern darunter, besonders an heißen Tagen.
Leo brachte einen Traum mit.
„Ich will alles sofort wissen“, sagte er. „Ich will wachsen, lernen, fortgehen, Erfolg haben und zurückkommen.“
Der Baum bewegte seine Blätter.
„Dann leg deinen Traum in meinen Schatten.“
Leo schloss die Augen. Der Traum kam wie ein leuchtender Faden aus seinem Kopf und legte sich an den Fuß des Baumes.
Er rannte nicht. Er streckte sich aus.
„Warum wird er so langsam?“
„Weil ein langer Traum Wurzeln treiben muss“, antwortete der Baum.
Den Sommer über kam Leo oft zurück. Sein Traum verschwand nicht. Er veränderte sich. Er wurde weniger eilig, fester. Er bekam Fragen, Wartezeiten, Versuche und Stille.
Eines Tages verstand Leo, dass er nicht nur irgendwo ankommen wollte. Er wollte jemand werden, der lange gehen kann.
Der Baum ließ eine Schote fallen.
„Hier. Der geduldige Geschmack der Erde.“
Leo nahm sie wie ein Geschenk.
Seitdem drängte er große Träume nicht mehr ungeduldig vorwärts. Er suchte ein wenig Schatten, ein wenig Zeit und erlaubte ihnen, tief zu werden.
