In der Küchenschublade lebte ein kleiner silberner Löffel.
Er war weder der größte noch der glänzendste. Aber jeden Abend, wenn das Haus langsamer wurde, wählte man ihn.
„Es ist Zeit“, sagte er.
Marta kletterte auf den Stuhl. Ihre Mutter goss warme Milch in eine Tasse. Ihr Vater gab einen Tropfen Honig dazu.
Der Löffel rührte langsam.
Eine Runde für den Tag, der endet.
Eine Runde für die gelungenen Dinge.
Eine Runde für kleine Ärgernisse, die ruhen dürfen.
Eine Runde für die Träume.
Marta liebte den leichten Klang an der Tasse. Kling, kling. Es klang wie eine winzige Glocke, die den Schlaf rief.
Eines Abends war sie viel zu aufgeregt.
„Ich will nicht schlafen.“
Der Löffel wurde nicht ärgerlich. Er blieb in der Tasse und machte nur einen sehr langsamen Kreis. Der Honig mischte sich mit der Milch. Der Duft stieg sanft auf.
„Gute Nächte zwingen nicht“, sagte er. „Sie laden ein.“
Marta nahm die Tasse in beide Hände. Sie trank in kleinen Schlucken. Der Tag, der noch voller Lärm gewesen war, rückte weiter weg.
Seit diesem Abend wurde der kleine Löffel zum Wächter des Übergangs zwischen Spiel und Ruhe.
Er ließ niemanden allein einschlafen. Er half dem Herzen zu verstehen, dass die Nacht beginnen durfte.
