Im kleinen Theater des Dorfes kamen die Schatten nur abends heraus.
Sie glitten hinter dem Vorhang hervor, streckten sich ĂŒber die WĂ€nde und nahmen seltsame Formen an. Die Kinder sahen sie manchmal mit etwas Angst an.
âDer da sieht aus wie ein Wolfâ, sagte Marta.
âUnd der wie eine riesige Handâ, fĂŒgte Paolo hinzu.
Die alte Puppenspielerin zĂŒndete ein niedriges Licht an.
âSchatten verĂ€ndern sich, wenn man sie sanft anschaut.â
Sie stellte eine kleine Puppe vor das Licht. Der Wolfsschatten wurde zu einem mĂŒden Hund. Die riesige Hand wurde zu einem Baum. Eine spitze Form verwandelte sich in einen Berg.
Die Kinder kamen nÀher.
Jedes Kind wĂ€hlte einen Schatten und gab ihm einen anderen Namen: Boot, Katze, Wolke, GroĂvater mit Hut.
Je mehr sie benannten, desto weniger bedrohlich wirkten die Schatten. Sie waren nicht verschwunden. Sie waren zu Figuren geworden.
Marta wagte es, ihre Hand vor die Lampe zu halten. An der Wand erschien ein Vogel.
âMache ich den Schatten?â
âDu und das Lichtâ, antwortete die Puppenspielerin.
Seit diesem Abend verlangten die Kinder nicht mehr, dass das Theater ganz hell sei. Sie lernten, mit dem dunklen Teil zu spielen, ihm zuzuhören und ihn zu verwandeln.
Und die sanften Schatten wurden zu ruhigen HĂŒtern der Abendgeschichten.
