Auf einem Hügel, der nach Thymian duftete, lebte eine kleine Ziege namens Bianca.
Sie sprang über Steine, Körbe, Wurzeln und manchmal sogar über den Schatten ihrer Mutter. Aber sie wollte mehr.
„Ich springe über den Mond!“
Die Grillen klatschten, die Sterne lächelten, und der Mond, rund und ruhig, sah Bianca freundlich an.
Die kleine Ziege nahm Anlauf. Sie sprang sehr hoch, landete aber wieder im Gras.
„Noch einmal!“
Sie versuchte es einmal, zweimal, zehnmal. Ihre Beine wurden müde. Sie ärgerte sich über den Hügel.
Endlich sprach der Mond.
„Warum willst du mich heute Nacht überspringen?“
„Weil ich etwas Großes tun will.“
„Dann beginne damit, deine kleinen Sprünge zu achten.“
Bianca sah sich um. Ein Stein wartete auf sie. Dann ein etwas höherer. Dann eine kleine Mauer. Die Ziege sprang sie nacheinander, ohne einen Schritt zu verspotten.
Jeder Sprung lehrte sie etwas: die Knie beugen, atmen, sehen, wo man landet.
Am Ende sprang sie nicht über den Mond. Aber ihr höchster Sprung brachte sie nah genug, um sein Spiegelbild in einer Pfütze zu sehen.
Bianca lachte.
Sie hatte verstanden, dass sehr große Träume nicht immer sofort erreicht werden wollen. Sie wollen, dass man mit ihnen wächst.
