3 Min. · accettazione

Der Feigenbaum, der dem Mond Schatten schenkte

Ein alter Feigenbaum schenkt dem Mond sanften Schatten und zeigt einem Kind, dass Fürsorge auch still sein kann.

Illustration zu Der Feigenbaum, der dem Mond Schatten schenkte

Im Garten stand ein alter Feigenbaum mit großen Blättern und breiten Ästen.

Am Tag schenkte er Kindern, Katzen und Obstkörben Schatten. In der Nacht blieb er mit den Sternen allein.

Eines Abends sah Nino den Mond sehr tief stehen, blass und müde.

„Du siehst erschöpft aus“, sagte er.

Der Mond lächelte. „Ich habe viele Fenster beleuchtet.“

Der Feigenbaum bewegte seine Blätter.

„Komm und ruh dich in meinem Schatten aus.“

Nino lachte. „Aber der Mond gibt doch Licht! Wie kann er Schatten brauchen?“

Der Mond sank ein wenig tiefer, und die Blätter des Feigenbaums legten einen leichten, fast durchsichtigen Schatten um ihn. Das Licht verschwand nicht. Es wurde nur weicher.

Der Garten atmete langsamer.

Nino verstand: Auch wer anderen Licht gibt, braucht manchmal Ruhe. Er sagte nichts mehr. Er setzte sich unter den Baum und blieb einfach dort.

Am nächsten Tag brachte er dem Feigenbaum Wasser. Er hielt keine große Rede. Er goss nur vorsichtig an die Wurzeln.

Der Feigenbaum bedankte sich nicht mit Worten. Er ließ eine reife Feige ins Gras fallen.

Seit jenem Abend erkannte Nino stille Fürsorge: einen herangerückten Stuhl, eine hochgezogene Decke, ein Glas Wasser am Bett, einen Schatten, der ohne Applaus geschenkt wird.

Und wenn der Mond müde schien, öffnete der Feigenbaum wieder seine Blätter für ihn.

Moral: Fürsorge muss nicht laut sein.
Montessori-Hinweis: Nach dem Lesen kann das Kind eine konkrete Handlung aus der Geschichte benennen und sie ruhig mit dem Gefühl des Abends verbinden.
← Mela und der Hof der langsamen SchritteTuri und das kleine Boot, das keine Eile hatte →