Am Hafenrand flickte ein alter Fischer namens Salvo immer seine Netze.
Eines Abends kam Andrea angerannt, das Herz voller Wut. Sein Steinturm war eingestürzt, sein Freund hatte gelacht, und die Worte steckten ihm im Hals fest.
Salvo reichte ihm eine kleine Angel ohne Haken.
„Heute fangen wir Atemzüge.“
Andrea rümpfte die Nase. „Die kann man nicht fangen.“
„Doch. Aber man braucht Geduld.“
Sie setzten sich ans Wasser. Salvo hob die Angel.
„Wenn die Welle kommt, atmest du ein. Wenn sie zurückgeht, atmest du aus.“
Andrea versuchte es. Zuerst atmete er zu schnell. Die unsichtbare Schnur verhedderte sich. Dann betrachtete er das Meer genauer.
Welle kommt. Luft hinein.
Welle geht. Luft hinaus.
Nach und nach entspannte sich sein Gesicht. Die Wut verschwand nicht sofort, aber sie wurde kleiner, wie ein Fisch, den man in den Händen halten kann, ohne sich zu verletzen.
„Ich habe einen gefangen“, flüsterte Andrea.
Salvo lächelte. „Dann heb ihn für unruhige Tage auf.“
Seit diesem Abend kehrte Andrea oft zum Hafen zurück. Manchmal mit einer echten Frage, manchmal nur mit einem zu schnellen Herzen.
Und der alte Fischer zeigte ihm immer dasselbe Meer, das ein und aus gehen konnte, ein und aus, ohne Eile.
