Auf einem weißen Balkon über einer schmalen Gasse sah Irene, wie der Jasmin seine Blüten erst nach Sonnenuntergang öffnete.
Sie war müde, fürchtete sich aber vor den wirren Träumen, die manchmal hinter geschlossenen Augen warteten.
Als sie um Hilfe bat, glitt ein Faden Jasminduft durch das Fenster und legte sich auf ihr Kissen. Es kam nicht wie eine Lektion, sondern wie eine kleine Veränderung in der Luft: sanft genug, damit die Nacht lebendig wirkte.
Bevor sie dieses Geschenk bekam, goss Irene die trockene Erde, löste einen geknickten Zweig und lernte, auch für die Pflanze zu sorgen.
Die Figuren beeilten sich nicht. Sie trafen eine vorsichtige Entscheidung, dann noch eine, und die Geschichte öffnete sich vor ihnen wie ein ruhiger Weg am Meer.
Im Traum wurde die erschreckende Treppe zu einem Weg, auf dem Jasminblüten jede Stufe beleuchteten.
Nacht für Nacht verschwand die Angst nicht einfach; sie änderte ihre Form, weicher durch den Duft und durch Irenes sorgsame Hände.
Als die Nacht wieder weich wurde, konnte das zuhörende Kind etwas Einfaches mitnehmen: Nicht alles muss erzwungen werden; manches wird klar, wenn wir behutsam gehen.
Leseritual: Langsam lesen, mit sanften Pausen zwischen den Szenen und einer ruhigen Gute-Nacht-Stimme.
