Am Strand baute Livia eine Sandburg mit drei Türmen, einem runden Tor und einem Graben ringsherum.
„Du bist perfekt“, sagte sie.
Die Burg zitterte. „Dann will ich niemals fallen.“
Das Meer hörte sie aus der Ferne und schickte eine kleine sanfte Welle. Die Burg zog sich zusammen.
„Komm nicht! Ich will bleiben, wie ich bin.“
Livia legte die Hand auf den kühlen Sand. „Aber der Strand verändert sich immer.“
Die Burg wollte das nicht hören. Sie liebte ihre Türme, ihre Brücke und die Muscheln, die wie Fenster glänzten. Doch die Nacht ging weiter, und die Flut kam näher.
Die erste Welle berührte nur den Graben. Er wurde zu einem kleinen See. Die zweite rundete einen Turm ab. Die dritte ließ ein Tor gleiten.
Die Burg weinte mit Sandkörnern.
Da sagte der Mond: „Du verschwindest nicht. Du kehrst zum Strand zurück, der dir Form gegeben hat.“
Die Burg hörte zu. Sie spürte die Muscheln, das Wasser, Livias Hände und das Lachen des Nachmittags. All das blieb in ihr, auch als die Mauern niedriger wurden.
Am Morgen gab es keine Burg mehr, aber einen weichen Hügel, in dem Livia eine Muschel fand, die sie wiedererkannte.
Sie lächelte.
Die Burg hatte ihre Form verändert, doch ihre Erinnerung stand noch.
