Auf der Terrasse mit Blick aufs Meer war eine Windrose auf den Boden gemalt.
Sie zeigte Norden, Süden, Osten und Westen. Die Kinder mochten sie, weil sie zu wissen schien, wohin alles ging: Boote, Vögel, Wolken.
Doch eines Abends drehte sich die Windrose nicht mehr.
„Ich bin müde“, sagte sie.
Luca wurde unruhig. „Aber wenn du schläfst, woher wissen wir dann, wohin wir gehen sollen?“
Die Windrose gähnte. „Vielleicht muss heute Abend niemand weit gehen.“
Der Junge setzte sich neben sie.
Auch in seinem Kopf gab es viele Richtungen: ein Bild fertig malen, eine Frage beantworten, ein Spielzeug suchen, sich an etwas erinnern. Er wollte sofort wissen, was zu tun war.
Die Windrose schloss ihre Spitzen eine nach der anderen wie eine Blume.
Der Norden ruhte. Der Süden ruhte. Osten und Westen auch.
Die Terrasse wurde still.
„Und morgen?“, fragte Luca.
„Morgen kommt der Wind zurück. Dann sehen wir weiter.“
Da verstand Luca: Sich ausruhen bedeutet nicht, den Weg zu verlieren. Manchmal bereitet es das Herz darauf vor, ihn wiederzufinden.
Er ging in sein Zimmer, ohne schon alles für morgen zu entscheiden. Er schlief mit dem fernen Meer und der schlafenden Windrose im Kopf ein.
Am Morgen glänzte sie wieder.
Und auch Luca wusste ein wenig besser, wohin er gehen wollte.
