In den schwarzen Steinen und Ginsterblüten an den Hängen des Ätna sank der Abend langsam herab, mit Salz in der Luft und warmen Farben an den Mauern. Nino kannte diese Stunde gut: Die Häuser wurden still, die Fenster sahen aus wie kleine Lampen, und das Meer sprach leiser als am Tag.
In dieser Nacht war jedoch etwas nicht leicht. Immer wenn etwas schiefging, kam Rauch aus seiner Nase, bevor er nachdenken konnte. Das Gefühl war nicht riesig, aber es war echt; und in einer Gutenachtgeschichte verdient auch ein kleines Gefühl einen Platz, eine Decke und ein wenig Geduld.
Dann schenkte die Nacht ihr sanftes Geheimnis: ein alter Lavastein bewahrte drei warme Atemzüge und antwortete nur auf ruhiges Zählen. Es kam nicht mit Lärm. Es kam wie ein Flüstern, als würde ganz Sizilien die Stimme senken, damit ein Kind verstehen konnte.
Nino beeilte sich nicht. Zuerst kam ein Atemzug, dann ein Blick, dann eine vorsichtige Entscheidung. Nino lernte, einmal für seine Pfoten, einmal für seinen Bauch und einmal für die Flamme zu atmen, bis sein Feuer klein und nützlich wurde. Nichts musste erobert werden; alles durfte bemerkt werden.
Nach und nach veränderte sich das Problem. Es verschwand nicht sofort, aber es wurde kleiner, vertrauter, fast freundlich. Der Mond blieb über den Dächern, die Luft roch nach Blättern und Meer, und die kleine Magie folgte dem Takt eines ruhigen Herzens.
Als ein Hirtenkind den Weg verlor, zündete Nino eine Laterne an, ohne das Gras zu versengen. Der Berg grollte leise, als wäre er einverstanden.
Und als der Schlaf endlich kam, fiel er nicht plötzlich herab. Er kam leise, wie ein warmes Laken, das achtsam hochgezogen wird.
Leseritual: Langsam lesen und zwischen den Szenen einige Sekunden Stille lassen.
