Dindo wuchs in einem warmen Hof mit runden grünen Gliedern, gelben Blüten und ganz ohne Stacheln.
Zuerst kamen alle gern nah heran, doch bald hingen Bänder, Glöckchen und nasse Zettel schwer an ihm.
Ein alter Feigenkaktus an der Mauer sagte ihm, dass Stacheln auch “bis hierher” bedeuten können. Es kam nicht wie eine Lektion, sondern wie eine kleine Veränderung in der Luft: sanft genug, damit die Nacht lebendig wirkte.
Dindo hatte keine Stacheln, also lernte er mit seinen Gliedern zu sprechen: Leichtes durfte bleiben, Schweres brauchte einen anderen Ort.
Die Figuren beeilten sich nicht. Sie trafen eine vorsichtige Entscheidung, dann noch eine, und die Geschichte öffnete sich vor ihnen wie ein ruhiger Weg am Meer.
Der Hof wurde schöner, als alles seinen Platz fand, und Dindo blieb freundlich, ohne erdrückt zu werden.
Die Nacht wurde wieder ruhig, und diese kleine Entdeckung durfte mit in den Schlaf gehen.
Als die Nacht wieder weich wurde, konnte das zuhörende Kind etwas Einfaches mitnehmen: Nicht alles muss erzwungen werden; manches wird klar, wenn wir behutsam gehen.
Leseritual: Langsam lesen, mit sanften Pausen zwischen den Szenen und einer ruhigen Gute-Nacht-Stimme.
