In den Fischernetzen im Hafen von Sciacca sank der Abend langsam herab, mit Salz in der Luft und warmen Farben an den Mauern. Micio kannte diese Stunde gut: Die Häuser wurden still, die Fenster sahen aus wie kleine Lampen, und das Meer sprach leiser als am Tag.
In dieser Nacht war jedoch etwas nicht leicht. Er wollte einen gespiegelten Stern mit einem alten Netz fangen und für sich behalten. Das Gefühl war nicht riesig, aber es war echt; und in einer Gutenachtgeschichte verdient auch ein kleines Gefühl einen Platz, eine Decke und ein wenig Geduld.
Dann schenkte die Nacht ihr sanftes Geheimnis: der Stern schlüpfte durch die Maschen und verwandelte das nasse Seil in einen silbernen Weg. Es kam nicht mit Lärm. Es kam wie ein Flüstern, als würde ganz Sizilien die Stimme senken, damit ein Kind verstehen konnte.
Micio beeilte sich nicht. Zuerst kam ein Atemzug, dann ein Blick, dann eine vorsichtige Entscheidung. Micio folgte dem Weg, statt ihn festzuziehen, und fand ein ängstliches Kätzchen, das den Kai suchte. Nichts musste erobert werden; alles durfte bemerkt werden.
Nach und nach veränderte sich das Problem. Es verschwand nicht sofort, aber es wurde kleiner, vertrauter, fast freundlich. Der Mond blieb über den Dächern, die Luft roch nach Blättern und Meer, und die kleine Magie folgte dem Takt eines ruhigen Herzens.
Er fing nie einen Stern. Aber jeden Abend sah er ihnen im Wasser beim Zittern zu, und der Hafen fühlte sich an wie eine Schale voller stiller Versprechen.
Und als der Schlaf endlich kam, fiel er nicht plötzlich herab. Er kam leise, wie ein warmes Laken, das achtsam hochgezogen wird.
Leseritual: Langsam lesen und zwischen den Szenen einige Sekunden Stille lassen.
