In den Orangenhainen von Ribera sank der Abend langsam herab, mit Salz in der Luft und warmen Farben an den Mauern. Nuvina kannte diese Stunde gut: Die Häuser wurden still, die Fenster sahen aus wie kleine Lampen, und das Meer sprach leiser als am Tag.
In dieser Nacht war jedoch etwas nicht leicht. Die großen Wolken sagten ihr, sie sei zu klein, um nützlich zu sein. Das Gefühl war nicht riesig, aber es war echt; und in einer Gutenachtgeschichte verdient auch ein kleines Gefühl einen Platz, eine Decke und ein wenig Geduld.
Dann schenkte die Nacht ihr sanftes Geheimnis: die Blätter der Orangenbäume flüsterten ihren Namen, wann immer eine Wurzel Wasser brauchte. Es kam nicht mit Lärm. Es kam wie ein Flüstern, als würde ganz Sizilien die Stimme senken, damit ein Kind verstehen konnte.
Nuvina beeilte sich nicht. Zuerst kam ein Atemzug, dann ein Blick, dann eine vorsichtige Entscheidung. Nuvina versuchte nicht, ein Sturm zu werden. Sie bewahrte ihre wenigen Tropfen und ließ sie genau dort fallen, wo die jungen Bäume am durstigsten waren. Nichts musste erobert werden; alles durfte bemerkt werden.
Nach und nach veränderte sich das Problem. Es verschwand nicht sofort, aber es wurde kleiner, vertrauter, fast freundlich. Der Mond blieb über den Dächern, die Luft roch nach Blättern und Meer, und die kleine Magie folgte dem Takt eines ruhigen Herzens.
Der Hain roch nach grünen Blättern und süßer Schale. Nuvina zog leichter davon, denn zu geben, was sie hatte, hatte sie genug gemacht.
Und als der Schlaf endlich kam, fiel er nicht plötzlich herab. Er kam leise, wie ein warmes Laken, das achtsam hochgezogen wird.
Leseritual: Langsam lesen und zwischen den Szenen einige Sekunden Stille lassen.
