Nina war ein weißes Schäfchen auf einem Hügel mit Olivenbäumen, Gras und niedrigen Steinmauern, mit Blick zum Meer.
Zu dieser Stunde endete der Tag nicht plötzlich. Er faltete sich langsam zusammen: ein blauer Schatten an der Wand, das Meer klang leiser, und warme Gerüche von Stein, Blättern und Abendessen zogen aus den nahen Häusern herüber.
Wenn die Herde schlief, blieb Nina wach und kontrollierte Mond, Wind, Tor und jedes kleine Geräusch.
Die Nacht antwortete ohne Aufsehen. Eine tiefe Wolke kam dem Mandelbaum nahe und ließ Nina auf ihren weichen Rücken steigen. Niemand kündigte es an; es war einfach da, wie die beste Gutenachtmagie: nah genug, um sie zu spüren, und sanft genug, um niemanden zu erschrecken.
Zuerst fragte sie immer wieder, wohin die Wolke gehe und ob unten alles sicher sei.
So begann die Geschichte in kleinen Schritten. Es gab kein Rennen, keine laute Lehre und keine Erwachsenenrede, die alles erklärte. Von oben sah sie, dass der Hund schlief, die Laterne leuchtete und der Mond ohne ihre Hilfe an seinem Platz blieb.
Dann kam der Augenblick, in dem die kleine Schwierigkeit ihre Form veränderte. Als ein schläfriges Sternchen abrutschte, fing die Wolke es sanft auf, bevor Nina etwas befehlen konnte.
Der Mond blieb über den Dächern, und der Ort wurde wieder ruhig. Was eben noch verwirrend oder zu groß gewesen war, bestand nun aus kleineren Teilen: einem Atemzug, einem Blick, einer vorsichtigen Geste, einem weiteren Versuch.
Nina kehrte mit einem Wolkentropfen in der Wolle auf den Hügel zurück. Seitdem schaute sie noch zum Himmel, aber zur Schlafenszeit ließ sie den Himmel seine Arbeit tun.
Als der Schlaf schließlich kam, kam er leise. Das Kind, das die Geschichte hört, kann fast dasselbe hören wie die Figuren: langsam gehen, das Nahe bemerken und die Nacht zu einer Freundin werden lassen.
Leseritual: Langsam lesen und zwischen den Szenen eine sanfte Pause lassen, damit das Kind den Ort vor dem Gefühl sehen kann.
